Şimdi Stuttgart

Im November 2005 veranstaltete das Deutsch-Türkische Forum Stuttgartin Zusammenarbeit mit der Istanbuler Stiftung für Kultur und Kunst (IKSV) erstmals das Türkei-Festival Şimdi Stuttgart, auf dem die Musik- und Kulturszene der Türkei in ihrer Bandbreite präsentiert wurde.

An 14 renommierten Veranstaltungsorten in Stuttgart von der Liederhalle bis zur Röhre wurden in acht Tagen mehr als 30 türkische Produktionen gezeigt, darunter Musik, Theater, Tanz, Film, Literatur und Kunst; von Hip-Hop, Jazz und Rockmusik bis zum klassischen Konzert, von der traditionellen bis zur Weltmusik, von der reichen türkischen Vergangenheit bis zur dynamischen modernen Gegenwart.

Şimdi Stuttgart hat zur Entdeckung eines Landes eingeladen, das in den letzten Jahren Veränderungen in Politik, Kultur und Alltag erlebt hat. Die Öffnung und Liberalisierung aller gesellschaftlichen Bereiche, die Wiederentdeckung des aus vielfältigen Traditionen gespeisten kulturellen Erbes, der anhaltende wirtschaftliche Aufschwung und das niedrige Durchschnittsalter der Bevölkerung tragen zu einem Klima bei, das die Kunstszene in der Türkei inspiriert und jungen Kreativen einen Nährboden bietet für spannende Projekte. Gleichzeitig bilden die Türken in Baden-Württemberg mit Abstand die größte ausländische Bevölkerungsgruppe. "Die Relevanz der türkischstämmigen Mitbürger in unserer Stadt wird auch dadurch verdeutlicht, dass sich zahlreiche Stuttgarter Institutionen am Festival beteiligt haben", betonte Oberbürgermeister Schuster zur Vernetzung der Stuttgarter Kulturszene.

Das Eröffnungskonzert des Festivals im Hegelsaal der Liederhalle bestritt der weltweit gefragte türkische Komponist und Pianist Fazıl Say mit dem Ensemble Resonanz aus Hamburg. Ebenfalls in der Liederhalle traten die in Wien lebenden Pianistinnen Ferhan und Ferzan Önder zusammen mit dem persischen Geschichteerzähler Parvis Mamnun auf und entführten das Publikum in die magische Welt von 1001 Nacht. In der Leonhardskirche spielte Kudsi Erguner, der Meister auf der Ney (Schilfrohrflöte), und Muezzine interpretierten "Ghazals from Goethe’s Divan". Zeynep Tanbay, die das moderne Ballett der Türkei revolutionierte, trat mit ihrer Choreographie "Many Things" im Theaterhaus auf und in der Wagenhalle führte Mercan Dede die traditionelle Musik der Derwische mit Computer Beats zu "Sufi Electronica" zusammen.

Toros Can, Spezialist für die Musik des 20. Jahrhunderts, gastierte im Kammermusiksaal der Musikhochschule. Die in der Türkei gefeierte Rockband Mor ve Ötesi lies es in der Röhre krachen, das Paris wurde von Aziza A. mit Oriental HipHop beschallt und für die Liebhaber niveauvoller Folklore gab es Musik von Kardeş Türküler im Theaterhaus. Als weitere Clubkonzerte rundeten Türkicaz und Istanbul by Night in der Wagenhalle das musikalische Programm ab.

Die zeitgenössische türkische Tanztheaterszene wurde von Mustafa Kaplan und Filiz Sızanlı repräsentiert, deren experimentelle Tanztheaterstücke "Dolap" und "SekSek", die bereits in Wien begeisterten, im Theater im Depot aufgeführt wurden. Von dem Autor und Karikaturisten Behiç Ak zeigte das Theater tri-bühne die Komödie "Beben und Beben lassen". Seine Karikaturen, die das Stück thematisch begleiten, waren ebenfalls dort zu sehen.

Die Deutsch-Türkischen Filmtage wurden 2005 in Şimdi Stuttgart integriert. Die Eröffnung fand im Kino Cinemaxx mit der Deutschlandpremiere von "Kopf oder Zahl" von Uğur Yücel statt. Im Kommunalen Kino gab es neben aktuellen türkischen Spielfilmen wie "Mama, ich habe Angst" von Reha Erdem Klassiker des türkischen Kinos zu sehen, darunter "Herr Muhsin" von Yavuz Turgul. Das türkische Independent Kino repräsentierte Zeki Demikubuz mit "Die Unschuld" und "Bekenntnis". In Kooperation mit dem Istituto Italiano di Cultura Stuttgart (Italienisches Kulturinstitut) wurden Filme von Ferzan Özpetek und Fatih Akın gezeigt. Im Anschluss an einige Filmvorführungen stellten sich Regisseure und Schauspieler den Fragen des Publikums.

Im Literaturhaus wurde an drei Abenden bei den deutsch-türkischen Literaturnächten bis tief in Nacht gelesen, zitiert, diskutiert und gestritten. Zu Beginn las Thorsten Becker mit Emine Sevgi Özdamar und Yeşim Dorman mit Friederike Groß, deren Ausstellung "Tausendundein Morgen" im Anschluss eröffnet wurde. Der folgende Abend begann mit Georg Klein und Ahmet Ümit. Anschließend lasen Uwe Kolbe und Bejan Matur, begleitet von Johannes Bauer auf der Posaune. Die letzte Nacht startete mit der Filmvorführung "Durch die Nacht mit Fatih Akin und Thea Dorn" und Feridun Zaimoğlu las mit Nazlı Eray. In Kooperation mit dem Literarischen Colloquium Berlin fand ein Treffen für deutsche und türkische Schriftstellerinnen und Schriftsteller sowie ihre jeweiligen Übersetzerinnen und Übersetzer statt.

Die Ausstellung der Fotografen Muammer Yanmaz und Selen Akçalı "40 Istasyon" (40 Haltestellen) porträtierte in Paris lebende türkische Künstler und Intellektuelle, sie wurde im Institut Francais präsentiert.

Als Überraschung für die Stuttgarter Passanten gab es unterschiedliche Straßenveranstaltungen, die einen Hauch von Istanbul vermitteln sollten sowie ein vielfältiges Rahmenprogramm weiterer Institutionen und Vereine aus Stuttgart wie Treffpunkt Rotebühlplatz, Galerie fluctuating images, Stadtbücherei, Laboratorium, Stiftung Geissstraße 7, EATA Baden-Würtemberg e.V. und anderen, die das Festival mit eigenen Veranstaltungen begleiteten.

Ermöglicht wurde "Şimdi Stuttgart" durch Förderungen von der Kulturstiftung des Bundes, dem Außenministeriums der Türkischen Republik, der Landesstiftung Baden-Württemberg, dem Kulturamt der Stadt Stuttgart, der Robert Bosch Stiftung GmbH, der Deutschen Post AG, der Deutschen Bank AG und der Bosch GmbH. Außerdem gilt der Dank der Veranstalter der Putzmeister AG, der Akbank Sanat, Turkish Airlines, der Stiftung Landesbank Baden-Württemberg und der U.I. Lapp GmbH.

Als Medienpartner konnten Digital Radio Südwest, Hürriyet, Radyo Metropol FM und das Lift Stuttgart gewonnen werden.

Das Festival wurde organisiert vom Deutsch-Türkischen Forum Stuttgart mit freundlicher Unterstützung der Istanbul Stiftung für Kultur und Kunst.