Deutsch-Türkische Literaturnacht mit Carsten Otte, Dilek Güngör, Thorsten Becker, Esmahan Aykol, Wolfgang Schorlau und Buket Uzuner

Die Deutsch-Türkische Literaturnacht, eine Veranstaltung des Deutsch-Türkischen Forums Stuttgart e.V. und des Literaturhauses Stuttgart, findet seit bereits drei Jahren - jeweils zur Winterzeit - im Literaturhaus Stuttgart statt. Untermalt mit Musik, erfreuen sich die Besucher/innen an einer langen Nacht mit deutsch-türkischer Literatur.

Die Literaturnacht hat es geschafft, neben Literatur interessiertem internationalem Publikum auch türkische Hausfrauen oder Jugendliche als Gast zu gewinnen, die über Jugendvereinigungen oder Frauenvereine auf den literarischen Abend aufmerksam gemacht werden und somit neben den türkischen / türkischstämmigen Autoren deutsche Literaten kennen lernen.

So konnten in den letzten Jahren das Deutsch-Türkische Forum Stuttgart e.V. und das Literaturhaus Stuttgart 250-300 Gäste zur Deutsch-Türkischen Literaturnacht ziehen, die fast alle bis zum Schluss, bis spät in die Nacht dabei blieben... Freuen Sie sich dieses Jahr auf:

Carsten Otte
"Schweineöde"

(Eichborn Verlag, 2004)

Raimund W. Kuballa, Sohn eines Bonner Edelgastronomen, zieht direkt nach der Wende in den Ostberliner Arbeiterbezirk Schöneweide, im Volksmund Schweineöde genannt. Gelangweilt vom Westen, wählt er die Ex-DDR als Abenteuerspielplatz und hofft, hier den ultimativen Kick zu finden. Seine Haltung ist eine Provokation für viele Einheimische. Die haben mit Arbeitslosigkeit und Verwahrlosung ihres Kiezes zu kämpfen, trotzdem versuchen sie, mit dem eigenwilligen Wessi zurecht zu kommen. "Schweineöde" lese sich wie eine Parodie auf die Flut gefühlsduseliger Erinnerungsgeschichten der Nachwendezeit.

Dilek Güngör
"Unter Uns"

(Edition Eberbach, 2004)

Angefangen hat es mit Glossen über ihren Vater. Daraus wurden bald Kolumnen über die ganze Familie. Jede Woche schreibt Dilek Güngör in der Berliner Zeitung über die skurrilen Momente des Familienlebens und die liebenswerten Schrullen der Familienangehörigen, über Streitereien im Auto und vor dem Fernseher und über gescheiterte Erziehungsmaßnahmen. Tanten, die vom bösen Blick getroffen werden, Schwestern, die bei romantischen Filmen Rotz und Wasser heulen, geheimnis-krämerische Freundinnen, heimlich rauchende Mütter, abergläubische Großmütter und schwierige Väter. Sie macht das mit soviel Sympathie, dass einem Mutter, Schwester, Onkel Ömer und Tante Hatice selbst Freundin Angelika, ans Herz wachsen; so dass man denkt, man kennt sie schon ewig. Und ganz unverhofft hat man seine eigene Familie um einen türkischen Zweig erweitert.

Thorsten Becker
"Sieger nach Punkten"

(Rowohlt, Reinbek, 2004)

Im Buch erzählt Thorsten Becker die Lebensgeschichte eines Jungen aus Anatolien, der in den 7oer Jahren nach Berlin kommt und sich schließlich anschickt, Europameister im Boxen zu werden. Während Becker diese Geschichte erzählt, macht er gleichzeitig auch die Geschichte der Türken sichtbar.
Thorsten Becker, der 1985 mit seiner viel gelobten Erzählung "Die Bürgschaft" debütierte, war schon immer ein Reisender, einer, der neugierig auf andere Kulturen war. "Tagebuch der Arabischen Reise" etwa erschien 1991. In Syrien, Mexiko, Kenia oder Indien war Becker unterwegs. Schließlich entdeckte er, der einst sogar heftige antitürkische Ressentiments gepflegt hatte, die Türkei und lernte die Türken lieben.

Esmahan Aykol
"Backschisch"

(Diogenes, 2004)

Esmahan Aykol, 1970 in Edirne in der Türkei geboren, lebt heute in Berlin und Istanbul. Während des Jurastudiums arbeitete sie als Journalistin für verschiedene türkische Zeitungen und Radiosender. Später eröffnete sie zusammen mit einer Freundin eine Bar, die bald pleite ging. Die Freundin eröffnete anschließend eine Buchhandlung, und Esmahan Aykol schrieb einen Roman, der in dieser Buchhandlung (sowie in der ganzen Türkei) reißenden Absatz fand: Hotel Bosporus.
"Wer von der Schwermut skandinavischer Krimiautoren genug hat, ist bei Esmahan Aykol an der richtigen Adresse: Nicht in Eis, Schnee und Regen, sondern unter der sengenden Sonne Istanbuls deckt ihre herzerfrischend sympathische Heldin Kati Hirschel Mord und Totschlag auf."
"Kati ist die leicht genervte Kunstfigur, in deren unversiegbarem Geschnatter aus schnellen Dialogen unter Frauen bei Eistee und Whisky-Soda und selbstironisch vernörgelten Monologen auf der Couch Esmahan Aykol ihr Vexierspiel mit den wechselseitigen Klischees über Deutsche und Türken personifiziert. Mit der entwaffnenden Zuvorkommenheit der notorischen türkischen Gastfreundschaft bedient, kommentiert und karikiert Kati alle erwartbaren Vorurteile. Wenn eine herzlose Mutter Katis kommende klimakterische Krisen diagnostiziert oder Freundinnen ihr CDs mit Ethnomusik schenken, dann ist das so gemein und genau beobachtet, dass man zuweilen meint, sich selbst darin zu erkennen."

Wolfgang Schorlau
"Sommer am Bosporus" - Ein Istanbul Roman

(Kiepenheuer & Witsch, 2004)

Wolfgang Schorlau war Manager in der Computerindustrie, lebt und arbeitet heute als freier Autor in Stuttgart.
Sehnsucht ist die Grundmelodie dieses Romans, und Sehnsucht treibt Andreas Leuchtenberg nach Istanbul, um einer alten, nicht gelebten Liebe nachzuspüren und die Frau wieder zu finden, deren Liebe er vor vielen Jahren zurückwies. Sehin, das türkische Mädchen, das in seiner Straße gewohnt hatte, war eine Prinzessin, sowohl eine Räuberprinzessin als auch eine aus den Märchen von Tausendundeiner Nacht. Er hatte sie verleugnet, als seine Kumpels sie als seine "Kanakenbraut" verhöhnten...
Als Leuchtenberg von Sehins Vater zufällig hört, dass sie inzwischen in Istanbul lebt und dort eine Modenschau organisiert, fliegt er kurz entschlossen an den Bosporus. Er lässt sich durch die Stadt treiben, lernt Alt-Istanbul, den europäischen Teil, kennen und gerät dann in die abgelegeneren orientalischen Stadtviertel. Immer weiter verliert er sich in der geheimnisvollen Atmosphäre dieser Stadt mit ihrer 2500-jährigen Geschichte, erlebt die Gastfreundschaft und Hilfsbereitschaft der Türken, die berühmten Basare und Bauwerke wie die Hagia Sophia und die Blaue Moschee, von denen Sehin ihm früher erzählt hatte...

Buket Uzuner
"Gallipoli"

(noch nicht auf Deutsch erschienen)

Eine junge Neuseeländerin kommt nach Gallipoli um das verlorene Grab ihres Urgroßvaters zu finden, der bei der Schlacht um Gallipoli starb, und stößt dabei auf das fünfundachtzig Jahre alte Geheimnis eines türkischen Großmütterchens, das durch den National Park in Gallipoli mit seinem Stock umherzieht...
Buket Uzuner, Jahrgang 1955, ist eine der bekanntesten und meistgelesenen Schriftstellerinnen der Türkei. Die Bücher der studierten Biologin und Umweltforscherin stehen seit mehr als zehn Jahren auf allen Bestsellerlisten im Land. Buket Uzuner arbeitete als Lektorin für ausländische Literatur des türkischen Verlages Remzi-Publishers in Istanbul. Sie ist Mitglied des türkischen Pen und der türkischen Schriftstellervereinigung. 1993 gewann Buket Uzuner für ihren Roman "The Sound of Fishsteps" den Yunus-Nadi-Preis.

Wie auch in den letzten Jahren übernimmt der bekannte Turkologen und Schriftsteller Nevfel Cumart die Moderation des Abends.

Nevfel Cumart wurde 1964 geboren und zählt mit zwölf Gedichtbänden zu den produktivsten Lyrikern der jüngeren Generation. Er studierte Turkologie, Arabistik und Islamwissenschaft und lebt seit 1993 freiberuflich als Schriftsteller, Übersetzer und Journalist in Stegaurach bei Bamberg. Neben Lyrikbänden in Deutsch, Englisch und Türkisch veröffentlichte Cumart auch eine Sammlung mit Erzählungen, außerdem zahlreiche Prosabeiträge und literarische Essays in diversen Anthologien. Er übersetzte aus den Werken türkischer Autoren, darunter auch Yasar Kemal, Aziz Nesin, Inci Aral, Fazžl Hüsnü Daglarca und Yasar Nuri Öztürk. Darüber hinaus publizierte er Porträts, Aufsätze und Rezensionen über moderne türkische Literatur.
Cumart hält Vorträge und Seminare über türkeikundliche Themen, die Situation der Ausländer in Deutschland sowie über die Religion des Islams. Für sein literarisches Werk erhielt er diverse Literaturpreise, darunter auch die Literatur-Förderpreise der Bundesländer Rheinland-Pfalz und Bayern.

 

Informationen

Termin
Freitag, 10.12.2004, 20 Uhr

Ort
Literaturhaus Stuttgart
Breitscheidstr. 4 (Bosch Areal)
70174 Stuttgart