Hearing: "NSU" als Zäsur - Strategien gegen institutionellen Rassismus

Migrantische Verbände haben frühzeitig und lange vergebens eine vollständige Aufklärung der NSU-Morde und des damit zusammenhängenden institutionellen Rassismus der staatlichen Sicherheitsbehörden gefordert. Dr. Eva Högl (SPD) und Clemens Binninger (CDU), beide Mitglieder des Untersuchungsausschusses des Bundestages, haben bei ihrer Befragung im Untersuchungsausschuss des Landtages das Ausmaß des institutionellen Rassismus, wie er in der Arbeit des Ausschusses sichtbar wurde, deutlich gemacht.

Barbara John, Ombudsfrau der Bundesregierung für die Hinterbliebenen der Opfer der NSU-Morde, hat für die Familien der Opfer, aber auch allgemein für die migrantischen Communities ein ernüchterndes Fazit gezogen. Das Vertrauen in die Sicherheitskräfte ist in der Gesellschaft im Allgemeinen und innerhalb der migrantischen Communities erschüttert. Dieses Vertrauen muss im Interesse aller widerhergestellt werden.

Das Netzwerk Rassismuskritische Migrationspädagogik Baden-Württemberg hat Anfang November sich mit dem Aufruf des Netzwerkes "Pädagog_innen gegen institutionellen Rassismus" zu Wort gemeldet. Darin fordern sie gemeinsam mit dem LAKA, VertreterInnen der Erziehungswissenschaft, der Landes-GEW und anderen Verbänden eine gründliche Aufarbeitung des NSU-Komplexes und nachhaltige Strategien, wie die Gesellschaft in Zukunft sich des Themas institutioneller Rassismus annimmt.  Der Aufruf wird im Rahmen der Konferenz mit den Unterschriften der Öffentlichkeit übergeben.

Um die hier angestoßene Debatte fortzuführen, laden LAKA und das Netzwerk rassismuskritische Migrationspädagogik gemeinsam mit anderen Partnern vor allem aus den migrantischen Communities zu einem Hearing.  Wir wollen damit

  • zu einer anderen Kultur der öffentlichen Aufmerksamkeit gegenüber den staatlichen Sicherheitsorganen beitragen, insbesondere auf die als "Racial Profiling" bekannten Ermittlungsmethoden und deren mediale Unterstützung
  • den großen Vertrauensbruch thematisieren und damit besprechbar machen, den viele MigrantInnen mit dem NSU-Komplex verbinden
  • ein Zeichen dafür setzen, den NSU-Komplex in einem ähnlichen Sinne als Zäsur zu betrachten, wie es der Fall  Steven Lawrence  und die nach ihm benannte Kommission in England war
  • eine Debatte darüber eröffnen, wie konkrete Schritte des Aufbaus einer zivilgesellschaftlichen Kontrolle der Sicherheitsorgane aussehen könnten.

Programm

Begrüßung

Panel I: Migrantische Perspektiven auf NSU, staatliches Versagen und Racial Profiling
Das Panel I eröffnet den Raum, um aus verschiedenen Perspektiven die Erfahrung des institutionellen Rassismus für die davon Betroffenen sichtbar zu machen und fragt konkret nach den Auswirkungen des NSU-Komplex auf Migrant_innen in Deutschland

  • Prof. Dr. Vassilis Tsianos, Universität Hamburg
  • Mehmet Gürcan Daimagüler, Rechtsanwalt, NSU-Nebenkläger, Berlin
  • Ruhan Karakul, Justitiarin des Zentralrats Deutscher Sinti und Roma, Mitglied in der Enquete-Kommission NSU des baden-württembergischen Landtags, Heidelberg
  • Tahir Della, Initiative Schwarze Deutsche, Berlin


Pause

Panel II: Strategien gegen institutionellen Rassismus
Das Panel II diskutiert ausgehende von den Erfahrungen aus den Stephen Lawrence Kommissionen in Großbritannien konkrete Schritte, wie eine zivilgesellschaftliche Begleitung der Organe der inneren Sicherheit zu mehr Vertrauen beitragen kann.

  • Chester Morrison, ehemaliger Leiter der Children and Youth Services der Stadt Liverpool, Mitglied der "Caribbean Reference Group for the West Midlands"
  • Udo Behrendes, Leitender Polizeidirektor a.D., Köln
  • Thomas Berger, Ministerium des Inneren Baden-Württemberg, Stuttgart
  • Dejan Perc, LAKA-Vorsitzender, Stuttgart


Übergabe der Unterschriften und Abschluss

Moderation: Anna Koktsidou, SWR-International  

 

Informationen

Termin
Donnerstag, 30. April 2015
14:30-19:00 Uhr

Ort
Rathaus Stuttgart, Großer Sitzungssaal
Marktplatz 1, 70173 Stuttgart

Die Teilnahme ist kostenlos.

Anmeldung
Susanne.Heinzmann(at)ev-akademie-boll.de
Stichwort: Hearing Institutioneller Rassismus
Tagungsnummer: 521915

Download
Info-Flyer (*.pdf)

Partner

  • LAKA - Landesverband der kommunalen Migrantenvertretungen Baden-Württemberg
  • Netzwerk Rassismuskritische Migrationspädagogik Baden-Württemberg
  • Evangelische Akademie Bad Boll
  • Die Anstifter
  • Amadeu Antonio Stiftung

Förderer

  • Netzwerk Rassismuskritische Migrationspädagogik
  • Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg
  • Amadeu Antonio Stiftung
  • Landeshauptstadt Stuttgart
  • Die Anstifter