Stellungnahme zur aktuellen Diskussion um die deutsch-türkischen Beziehungen

14.06.2016 15:00

Der Vorstand des Deutsch-Türkischen Forums Stuttgart betrachtet mit Sorge die zunehmende Schärfe in der Diskussion um die Beziehungen zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der Republik Türkei im Zusammenhang mit der Armenien-Resolution des Deutschen Bundestages. Wir rufen alle Funktionsträger in Politik, Medien und Gesellschaft dazu auf, sich für einen sachlichen Umgang mit dem Thema einzusetzen. Wir sollten radikalen und extremistischen Kräften keine Räume eröffnen, die es ihnen ermöglichen, die Bevölkerung gezielt in Loyalitätskonflikte zu drängen. Gleichzeitig verurteilen wir Schmähungen und Bedrohungen gegenüber demokratisch legitimierten Trägern politischer Mandate.

Die Region Stuttgart gilt bundesweit als ein Leuchtturm erfolgreicher Integrationsarbeit. Hier ist es vorbildlich gelungen, die Teilhabe von Einwanderern aus der Türkei und ihrer Nachkommen produktiv zu gestalten. Dabei kommt der Aufnahmegesellschaft, die bereit war und ist, sich auf Neues einzulassen, eine ebenso große Bedeutung zu, wie den Einwanderern, die entscheidende Beiträge zur Entwicklung unserer Region geleistet haben und weiterhin leisten. Gegenseitiger Respekt und Wertschätzung sowie der Wille zum produktiven Zusammenwirken sind die Grundlagen dieses Erfolgsmodells. Sie gilt es zu bewahren - auch in Zeiten, in denen unterschiedliche Einschätzungen in Bezug auf historische Gegebenheiten und unsere gemeinsame Geschichte bestehen.

Das Deutsch-Türkische Forum Stuttgart engagiert sich seit seiner Gründung vor 17 Jahren für die kulturelle und gesellschaftliche Begegnung, Verständigung und Zusammenarbeit der Bürgerinnen und Bürger in unserer Region. Wir bieten uns als parteipolitisch und konfessionell neutraler Akteur der Zivilgesellschaft an, gemeinsam mit der Verwaltung, Verbänden, Kultureinrichtungen, Stiftungen sowie allen Interessierten daran zu arbeiten, dass die Region Stuttgart auch in der aktuellen schwierigen Situation eine Beispiel gebende Entwicklung nimmt. Wir sind davon überzeugt, dass es gerade hier gelingen kann, eindrucksvoll unter Beweis zu stellen, dass ein offener Umgang mit schwierigen Themen großen Nutzen bringt, wenn er unter Beachtung demokratischer Spielregeln erfolgt und von gegenseitigem Respekt und Wertschätzung getragen ist. Dies setzt allerdings voraus, dass wir die kulturelle und gesellschaftliche Begegnung der Menschen in unserer Region auch weiterhin aktiv fördern.

Stuttgart, 14. Juni 2016