2. BAKIŞ-Themenabend

Nedim Gürsel & Michael Thumann:
Modern und muslimisch - Wie freiheitlich denken die neuen Eliten?

Neben der kemalistisch-säkularen Elite hat sich in der Türkei eine neue Elite etabliert: das muslimische Bürgertum, herangewachsen in Anatolien, wo die mittelständische Industrie boomt, und in Familienverbänden, in denen Bildung einen hohen Stellenwert mit eigenem Wertesystem hat. Diese neue Elite schickt ihre Kinder zum Studium in die USA. Sie nutzt die Gaben der Globalisierung, bekennt sich aber zu einem islamischen Weltbild.

Welche Rolle spielt der Islam im politischen und kulturellen Leben des Landes heute? Wie viel Pluralismus, wie viel Freiheit, wie viel Demokratie ist nach diesem Selbstverständnis möglich? Was verbindet das neue muslimische Bürgertum mit der alten Elite des türkischen Staates, deren Konzept von Moderne den Laizismus und die Westausrichtung beinhaltet? Und was verbindet die neue Elite mit den Werten eines freiheitlich pluralistischen Europas?

Der Schriftsteller Nedim Gürsel und der Journalist Michael Thumann widmen sich im Gespräch mit Sibylle Thelen der Rolle des Islams in der heutigen türkischen Politik und Gesellschaft.


Die Gesprächspartner

Nedim GürselNedim Gürsel, geboren 1951 in Gaziantep, ist Schriftsteller, Dozent für türkische Literatur an der Sorbonne in Paris und Vorsitzender für türkische Literaturforschung am Pariser Centre Nationale de la Recherche Scientifique. Seine Romane, Erzählungen und Essays wurden in zahlreiche Sprachen übersetzt. Im deutschen Sprachraum haben ihn die Romane "Der Eroberer" (1998), "Turbane in Venedig" (2002) und "Sieben Derwische" (2008) bekanntgemacht. Wegen seines Buches "Allahs Töchter" geriet er in Konflikt mit der türkischen Justiz und wurde wegen "Verunglimpfung der religiösen Werte des Volkes" angeklagt. 2009 sprach ihn das Gericht frei.

 

 

 

Michael ThumannMichael Thumann, geboren 1962, studierte Geschichte, Politik und Slawistik in Berlin, New York und Moskau. Seit 1992 arbeitet er für die Wochenzeitung DIE ZEIT. Von 1996 bis 2001 war er Korrespondent in Moskau. Bis Ende 2007 koordinierte er die außenpolitische Berichterstattung der ZEIT. Heute leitet er die ZEIT-Redaktion für den Mittleren Osten in Istanbul und schreibt über die arabische Welt, die Türkei und Zentralasien. 2003 erschien sein Buch "Der Islam und der Westen". Im Jahr 2010 arbeitete er als Bosch Fellow an der Transatlantic Academy in Washington über türkische Außenpolitik. Im Sommer 2011 erscheint sein neues Buch "Der Islam-Irrtum: Europa und die muslimische Welt".

 

 

 

Sibylle ThelenSibylle Thelen, geboren 1962, studierte Politik, Turkologie und Kommunikationswissenschaften in München. 2008 erschien ihr Buch "İstanbul – Stadt unter Strom. Gesichter der neuen Türkei" und 2010 "Die Armenierfrage in der Türkei". Sie ist leitende Redakteurin der Wochenendbeilage der Stuttgarter Zeitung.

 

 

 

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Informationen

Termin
Mittwoch, 30. März 2011
20:00 Uhr

Ort
Literaturhaus Stuttgart
Breitscheidstr. 4 (Bosch Areal)
70174 Stuttgart

Eintritt
EUR 9,-/7,-/4,50